Einsatz Nr. 90

Schwerer Verkehrsunfall auf der BAB 46 zwischen dem AK Sonnborn und der AS Varresbeck. Die ersten Anrufe auf der Leitstelle ergaben, das es sich um einen "normalen" Unfall mit verletzten Personen handeln sollte. So wurden Rettungsdienst nebst Notarzt sowie ELW, ein LF der BF und unser LF zur Absicherung alarmiert.
Nachdem der RTW eingetroffen war, stellte sich heraus, das es sich um einen sehr schweren Unfall mit mehreren eingeklemmten Personen handelt. Daraufhin wurde der Rüstzug und der Rest des Löschzuges Sonnborn nachalarmiert.
Angekommen bot sich ein Bild des Schreckens. 3 PKW und ein LKW waren irgendwie in den Unfall verwickelt. Eine Person konnte lebend unter Vornahme von hydraulischen Rettungsgeräten befreit werden; für den Beifahrer und zwei weitere Personen in einem anderen PKW kam leider jede Hilfe zu spät.
An der Eisatzstelle befanden sich 2 Notärzte, eine Leitende Notärztin, B-Dienst, A-Dienst (Stadtbetriebsleiter), 3 RTW, Rüstzug Elberfeld und der Löschzug Sonnborn.

Bilanz: 3 Tote, 1 schwer und 1 leicht Verletzter


Online-Artikel der Westdeutschen Zeitung vom 07.10.2004:

Drei Tote nach Geisterfahrt auf der A 46

Schwerer Unfall nahe der Ausfahrt Varresbeck: Dort prallten gestern vier Fahrzeuge gegeneinander.
Wuppertal. Die Einsatzstelle gestern Morgen gegen 4.20 Uhr, ein Trümmerfeld: Nur noch Schrott sind die beiden Autos, die fast quer auf der Fahrbahn stehen, rechts und links an verbeulten Leitplanken. Weit verstreut liegen Blechfetzen und Kunststoffsplitter, überall blitzen Glasscherben im Intervall der Blaulichter. Der rechte Scheinwerfer eines demolierten Taxis leuchtet noch in der Dämmerung. "Ich kann das nicht verstehen", sagt ein 59-jähriger Fernfahrer, der seinen Lastwagen soeben an einer Leitplanke zum Stillstand gebracht hat und jetzt wie betäubt in die Ferne stiert.
Hier, auf der A 46 zwischen dem Sonnborner Kreuz und der Ausfahrt Varresbeck, sind vor wenigen Minuten drei Menschen ums Leben gekommen. Vermutlich hatte ein 28-Jähriger, der zunächst in Richtung Barmen unterwegs war, auf der Fahrbahn gewendet. Unmittelbar darauf, so die Polizei, sei es zu einer Kette von fatalen Zusammenstößen zwischen dem BMW des mutmaßlichen Geisterfahrers und anderen Autos gekommen. Darin verwickelt: Das Taxi, der Lastwagen und der Opel eines Wuppertaler Ehepaares.
Für den 56-Jährigen am Steuer des Opels und die 46-jährige Wuppertalerin neben ihm kommt jede Hilfe zu spät. Und auch der 36-jährige Beifahrer des etwaigen Unfallverursachers kann nur noch tot geborgen werden. Zudem werden der Taxifahrer leicht und der mutmaßliche Falschfahrer schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Er schwebe, so die Polizei, aber nicht in Lebensgefahr. "So einen schweren Unfall hatten wir seit langer zeit nicht mehr", sagt ein Autobahnpolizist.
Anfangs haben die Rettungskräfte sogar vermutet, dass auch ein Baby Opfer des schweren Unfall geworden ist. Windeln und Kleinkind-Utensilien im BMW haben darauf hingedeutet, Feuerwehrleute deshalb die Grünstreifen durchkämmt. Das Ergebnis: "Zum Glück negativ", sagt ein Feuerwehrmann erleichtert. Während einige Polizisten Beweise sichern, Spuren abmessen und Zeugen befragen, leiten andere den Autobahnverkehr um. Überall am Sonnborner Kreuz haben sie die Zuund Auffahrten in Richtung der Unfallstelle bis 8.40 Uhr abgeriegelt. Die empfohlene Umleitung von Wuppertal-West über Hilden und Leverkusen nach Wuppertal-Ost ist zwar lang. Im anschwellenden Berufsverkehr wird sie für viele Autofahrer an diesem Morgen aber trotzdem zur Alternative zu den verstopften Straßen entlang der Talachse. Dort geht bald alles nur noch im Stop-and-go-Verfahren, teilweise beherrschen Ungeduld und Hupkonzerte den Verkehr.
Unmittelbar hinter der Unfallstelle wartet ein Lastwagenfahrer hingegen ruhig das Ende der Rettungsarbeiten ab. "Ich kann jetzt ohnehin weder vor noch zurück", sagt er. "Natürlich stehe ich unter Zeitdruck." Angesichts des "schlimmen Ereignisses" wenige Meter vor seiner Windschutzscheibe will er sich aber nicht beschweren. Stattdessen bedauert er die Rücksichtslosigkeit im Verkehr. "Leider kämpfen auf den Straßen alle irgendwie gegeneinander, anstatt vernünftig zu fahren."
Warum der 28-Jährige möglicherweise auf der Autobahn gewendet, ist noch nicht klar. Die Ermittlungen dauern an.
07.10.04
Von Boris Glatthaar


Foto: WZ vom 07.10.2004 - Wolfgang Westerholz


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