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Einsatz Nr. 80

Foto: Wolfgang Westerholz

In dieser Souterrain-Wohnung am Habichtweg richteten die Wassermassen ein Chaos an. Drei Wohnungen auf dem Nützenberg sind bis auf weiteres unbewohnbar.

Online Zeitungsbericht der Westdeutschen Zeitung vom 19.06.2006:

Sturzflut nach Rohrbruch am Nützenberg
Das Platzen einer Gussleitung unter dem Weyerbuschweg verursachte im Westen der Stadt eine Lawine aus Schlamm, Wasser und Steinen. Der Schaden ist groß.
Wuppertal.
Dienstagmorgen, kurz nach halb zwei Uhr: Es ist ruhig am Habichtweg. Mehmet Sevel schaltet den Fernseher aus. Er will ins Bett, als er ein Rauschen hört. Das Rauschen schwillt an, Sevel ist alarmiert: "Ich habe 1999 das Erdbeben in der Türkei miterlebt", sagt er.
Sevel schaut aus dem Fenster in der ersten Etage und sieht eine braune Lawine aus Wasser, Schlamm und Steinen den Habichtweg herunterschießen, direkt auf sein Haus mit der Nummer 23 zu. Sevel weckt die Nachbarn, ruft die Feuerwehr.
Weiter oben am Nützenberg, unter dem Weyerbuschweg, ist kurz zuvor der WSW-Stördienst angekommen. Die Mitarbeiter sind gerade auf der Suche nach einem Leck, als mit einem Knall die 35 Zentimeter dicke Gussleitung unter der Straße platzt. Ein komplettes Rohrstück springt heraus. Die nasse Straße kommt ins Rutschen.
Das Wasser frisst eine meterlange und -tiefe Schneise aus der Straße, rast mit Steinen und Erde den Nützenberg hinunter in den Bussardund den Habichtweg, verwandelt die Straße in Minuten in einen schlammigen See, läuft in Keller und tief gelegene Wohnungen. Wie es dazu kommen konnte, dass die Leitung leckte und die Straße wegriss, darüber wollen die Stadtwerker nicht spekulieren.
Eine Stunde später ist die Ruhe im Viertel hektischer Geschäftigkeit gewichen: Feuerwehrleute aus Sonnborn und der Hauptwache laufen mit Schläuchen vor den Häusern mit den Nummern 17 bis 23 hin und her, brummende Generatoren pumpen braune Schlamm-Suppe aus den Häusern. "Eigentlich hätten wir zu dieser Zeit Waldbrände erwartet", sagt ein Feuerwehrmann kopfschüttelnd.
Anwohner stehen in T-Shirts und kurzen Hosen in der warmen Sommernacht an der abgesperrten und mit fußballgroßen Steinen übersähten Schlammwüste, die einmal eine Straße war. Selbst am Tag danach werden die Stadtwerke den Schaden an Straßen, Autos, Wohnungen und Kellern nur grob überschlagen können. Er geht wohl in die Hunderttausende.
Das Haus von Mehmet Sevel hat es besonders schlimm erwischt: Sevel wohnt glücklicherweise in der ersten Etage, nur sein Keller ist fast mannshoch zugelaufen. Fast alle Nachbarn hat Sevel geweckt, nur Daniela Nebelung aus dem Souterrain findet er nicht. Die ist an diesem Abend in Bochum und erlebt nicht mit, wie ihre Wohnung untergeht: Ein noch funktionierender Deckenstrahler beleuchtet gegen drei Uhr in der früh ein gespenstisches Schlamm-Stillleben.
Im Chaos zwischen den Möbeln der einst roten Sitzgruppe schwimmt ein Fernseher vorbei. Die ganze Nacht über pumpen Helfer Keller und Wohnungen leer.
Im Laufe des Dienstags können die gröbsten Schäden beseitigt werden. Die Anwohner haben mittlerweile wieder Strom und fließendes Wasser. Drei Wohnungen bleiben aber bis auf weiteres unbewohnbar. Die Betroffenen schlafen in Hotels oder bei Bekannten.
DER MORGEN DANACH
Peter Stahl
, Leiter des Rohrnetzbetriebes der WSW, blickt über den Habichtweg. "Die Situation ist übersichtlich", sagt er.
Das sieht Daniela Nebelung anders. "Ich bin total geschockt, im Moment kann ich nur mit Sarkasmus reagieren." Fassungslos steht sie vor den Überresten ihrer Souterrainwohnung. Die Wohnung ist voller Schlamm, der Kühlschrank umgekippt, die Terrassentür eingeschlagen, damit das Wasser ablaufen kann. Vorerst wird sie wohl zu ihrem Freund nach Bochum ziehen.
Noch ist der Habichtweg gesperrt, der Busverkehr wird umgeleitet. Eine dicke Schicht Schlamm überzieht den As-phalt, ohne Gummistiefel ist man schlecht beraten. Drei Bagger schaufeln Erdmassen beiseite, die nächste Schicht der Bauarbeiter ist schon im Einsatz.
"So etwas kennt man normalerweise nur aus dem Film", sagt Anwohner Jorg Schmitz. Barfuß steht er dort und schaut auf ein breites Wasserrinnsal, das die Straße hinunterfließt.
Bis der Schlamm beseitigt und die Leitung repariert ist, wird es noch dauern. Trotzdem versucht die WSW den Betroffenen Mut zu machen. "Wir werden den Schaden zügig regulieren, damit die Familien bald wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können", verspricht Claudia Fischer vom Vorstand der Stadtwerke.
19.07.06
Von Klaus Wieschemeyer

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